Ich sitze in einem Cafe und schlürfe an meinem Columbiana Aeropress und schaue mich um. Es ist überraschend leise, bis auf Parov Stelar, welches leise im Hintergrund läuft höre ich nur das mahlen der Cafemaschine. Links von mir sitz ein Päärchen, beide starren wie hypnotisiert auf Ihre Smartphones. 5 Minuten, 10 Minuten, 20 Minuten, ohne ein Wort miteinander zu sprechen…

Vielleicht ist das aber auch normal in einer Zeit, die uns täglich mit mehr Informationen überflutet als wir überhaupt verarbeiten können. Wir sind immer erreichbar, always on. Ich erinnere mich noch an die Vorstellung des iPhone 5, in der Steve Jobs es ziemlich gut auf den Punkt gebracht hat.

We made your most personal item, even better. – Steve Jobs

Was aus Marketingsicht natürlich eine brilliante Aussage ist, stimmt mich auf der anderen Seite wirklich nachdenklich denn Steve Jobs hat Recht. Keinen Gegenstand haben wir am Tag häufiger in der Hand als unser Smartphone. Es begleitet uns vom ersten Moment wenn wir aufwachen bis wir Abends die Augen zu machen. Ich entsperre mein Smartphone 80-120x am Tag und halte es dabei im Durchschnitt deutlich kürzer als 30 Sekunden in der Hand. Eine App – was auch sonst – sagt mir ich nutze das iPhone 3,43 Stunden am Tag. Wie viel Uhr ist es? Was gibt es neues auf Facebook? Hat mir jemand per Whatsapp geschrieben?

Es ist wie eine Sucht immer erreichbar sein zu müssen. Ich bekomme eine E-Mail: Schnell drauf antworten – eine Antwort wird ja innerhalb weniger Minuten erwartet. Handy, auf jeden Fall anlassen bis 22 Uhr, es könnte ja noch ein Kunde anrufen. Always on. 

Um so wichtiger sind für mich die kleinen aber wichtigen Rituale  geworden, durch die ich mich im Laufe des Tages von Zeit zu Zeit von der digitalen Welt lossage:

Der bewusste Kaffee & die Tageszeitung in meinem Lieblingscafé

Ich versuche mir jeden Tag wenigstens eine kurze Auszeit in dem Café gegenüber der Agentur zu nehmen und dort eine Tasse Filterkaffee zu genießen und einmal ganz analog durch die Tageszeitung zu blättern.

Ein (analoges) Foto am Tag & entwickeln in der Dunkelkammer

Mit meinem ständigen analogen Begleiter – einer alten Leica Kamera – versuche ich jeden Tag ein Foto zu machen um meinen Kopf wenigstens einmal am Tag auf etwas komplett anderes als die Arbeit zu lenken. Immer in der Kamera befindet sich natürlich der obligatorische Tri-X 400 von Kodak.

Wenn der Film dann nach ca einem Monat voll ist, ziehe ich mich in die Dunkelkammer zurück und entwickele dort was so angefallen ist. Es ist ein kurzer Moment der Dunkelheit und Stille, an dem mein Smartphone keinen Platz hat. Es hat fast schon meditativen Charakter die Entwicklungsdose mit den verschiedenen Chemikalien zu befüllen, zu schwenken und 10-15 Minuten später mit einem Streifen Fotos auf Negativ belohnt zu werden.

Mein Notizbuch und ich

Obwohl ich so digital vernetzt bin schreibe ich alles in mein Moleskine Notizbuch. Ich habe mein Notizbuch und meinen Füller immer dabei und schreibe dort nieder was mir gerade einfällt und was ich unbedingt behalten muss. Ich habe es mit digitalen To Do Listen probiert – Apps gibts da ja genug – aber irgendwie ist das nichts für mich. Ich brauche das Gefühl, welches Tinte verursacht wenn Sie über gestrichenes Papier läuft.

Was sind eure Strategien um sich ab und zu mal etwas vom digitalen Alltag loszusagen? Oder wollt Ihr das eventuell gar nicht? Ich bin gespannt auf eure Meinung!