Die Leica M 240, eine Messucherkamera mit manuellem Fokus und einem Preis von rund 6500 Euro ist in der Fotografenwelt vor allem als extrem teures „Gadget“ oder als „Anwaltskamera“ verschrien. Mich hat interessiert was die Leica M240 im professionellen Einsatz leistet und ob die Kamera für mehr geeignet ist als Hobbyfotografen Ihre Geldbeutel zu erleichtern…

Ich biete euch keinen technischen Detailtest und kein Pixelpeeping, dafür möchte ich euch erzählen wie die Leica M240 in meinen Alltag als Portrait- und Dokumentarfotograf passt und was sich verändert hat im Vergleich zu meiner Arbeit mit Nikon, Canon und Co. Ich habe eine bewusste Entscheidung getroffen mit Leica zu arbeiten und ich möchte den wenigen von euch, die eventuell unentschlossen sind eine Entscheidungshilfe für oder auch gegen einen Kauf geben.

Meine Ausgangssituation

Ich fotografiere jetzt seit etwas über 10 Jahren und habe 8 Jahre davon ausschließlich mit Canon DSLR Systemen gearbeitet. Sie waren für mich immer die Systeme, welche vom Preisleistungsverhältnis am meisten überzeugt haben. Nach einem Fotojob in Syrien entschied ich jedoch nach über 8 Jahren auf ein leichtere System zu wechseln. Das war im Jahr 2013, das Jahr als Fuji gerade seine XT-1 an den Start brachte.

Die Leica M im Vergleich mit einer DSLR

Die Arbeit mit einer Leica M unterscheidet sich massiv von der Arbeit mit einer klassischen Digitalspiegelreflexkamera in meinen Augen vor allem durch die Art der Fokussierung und den Messsucher. Die härteste Barriere in der Entscheidung mit einer Leica M zu arbeiten ist mit Sicherheit der fehlende Autofokus, auf den ich mich bei meinen Trips nach Syrien und Afghanistan nur zu gut verlassen konnte. Ich arbeitete damals mit einer Canon 5D Mark III, welche – ihr wisst das sicher –  einen höllisch schnellen Autofocus hatte. Ich konnte mir sicher sein, dass der Fokus auch in den hitzigsten Situationen sitzen würde aber wie würde sich die Leica M in einem solchen Einsatz verhalten? Kann man mit der Leica M aufgrund Ihres fehlenden Autofokus überhaupt schnell arbeiten? Mehr dazu später, denn ein anderer wichtiger Punkt ist die Tatsache dass für Leica eigentlich nur Festbrennweiten verfügbar sind und sich somit jeder Zoom Objektiv Shooter von seiner grundsätzlichen Arbeitsweise umstellen muss.

Wie oben schon erwähnt gibt es die Leica M nur mit manuellem Fokus. Die Umstellung auf den Messsucher hat mich gute 4 Wochen und einige versaute Bilder gekostet aber dann ging es langsam immer besser und ich wurde immer schneller und effizienter. Wer sich mit Messsucher Kameras beschäftigt der stolpert früher oder später auch über die Zonenfokussierung. Einmal gelernt, gehören unscharfe Bilder der Vergangenheit an!

Meine Art zu fotografieren änderte sich

Die Frage warum man über 6000€ für eine Leica M ausgeben sollte, die noch nicht mal Autofokus hat ist selbstverständlich berechtigt und ich möchte hier auch gar nicht anfangen von irgend einem besonderen „Look“ reden den eine Leica M erzeugt aber es veränderte definitiv meine Art zu fotografieren. Ich wurde überlegter in der Motivauswahl und fing an mich mehr mit dem Motiv und dem Bildausschnitt an sich zu beschäftigen. Ich merkte wie meine Arbeiten grafischer wurden und ich mir beim fotografieren mehr Zeit ließ.

Ich generierte weniger Output, dafür stieg aber das Outcome!

Der Leica Faktor

Ich habe euch oben versprochen nicht irgendwas über einen besonderen Look zu faseln sondern an leicht nachvollziehbaren Real Life Beispielen festzuhalten. Einen „Leica Faktor“ gibt es aber trotzdem und das hat für mich weniger etwas mit dem Look des Bildes zu tun als mit der Art wie Menschen auf mich als Fotograf reagieren. Im Bezug auf z.B. die obige Hochzeit habe ich gemerkt das die Menschen mich nicht unbedingt sofort wahrnehmen und deshalb gelassener und entspannter sind. Ich wurde nur als der Typ mit der winzigen Kamera wahrgenommen und nicht als professioneller Fotograf. Ein klarer Pluspunkt finde ich. Im Bezug auf Portraitfotografie drückt es das Bild oben ganz gut aus finde ich. Ich habe das ganz subjektive Gefühl den Menschen die ich fotografiere näher zu sein und mehr aus den Leuten raus kitzeln zu können als ich das vorher konnte. Das ist etwas total neues von mir und hat mir glaube ich den entscheidenen Schritt nach vorne verschafft. Mein Gesicht versteckt sich nicht hinter einer riesigen Kamera und meine Models merken an meinem Lächeln wenn Sie etwas gut machen. Das ist unbezahlbar.

Einige aktuelle Arbeiten mit der Leica:

Wie ist es bei euch? Wer von euch hat schon einmal mit einer Leica oder überhaupt einer Messsucherkamera gearbeitet? Wie empfandet ihr es? Ich bin gespannt auf eure Erfahrungsberichte! Mein Fazit ist ganz klar, ich will nichts anderes mehr.

Dieses Post wurde NICHT von Leica gesponsert und spiegelt meine eigene Meinung wieder. Wenn Ihr mehr Fotos sehen wollt die ich mit der Leica geschossen habe schaut einfach auf meiner Website www.foerster-photography.de vorbei.